Wie Achtklässler Politik mitgestalten

Wie kommunale Beteiligung Jugendlicher umgesetzt werden kann, ohne dass nur einige wenige prädestinierte Jugendliche gefördert werden, zeigt ein Projekt aus Baden-Württemberg, bei dem Achtklässler aktiv Kommunalpolitik mitgestalten.

Bipar - Bürgerbeteiligung - 8er-Rat Bild: Campus of Excellence via flickr.com, Lizenz CC BY-ND 2.0

Jugendbeteiligung auf kommunaler Ebene kann ein sehr fruchtbarer Boden sein: Viel schneller als auf Landes- oder Bundesebene lassen sich erste Erfolge erfahren, Jugendliche können ihre Interessen artikulieren, die auch vor Ort umsetzbar sind und ein Austausch auf Augenhöhe wird vereinfacht. Schwierigkeiten gibt es jedoch, wenn kommunale Beteiligungsangebote nur Jugendliche wahrnehmen, die politisch ohnehin schon interessiert, wenn nicht sogar schon engagiert oder parteipolitisch eingebunden sind. Dies fördert dann lediglich die Partikularinteressen von bereits privilegierten jungen Menschen.

Um einen Weg zu finden, alle Jugendlichen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, ihrem familiären Hintergrund und ihrer religiösen oder politischen Einstellung zu beteiligen, wird in Baden-Württemberg in vielen Gemeinden das Modell des sogenannten „8er-Rat“ praktiziert.

Was ist der 8er-Rat?

Der 8er-Rat ist benannt nach der achten Klassenstufe, in der er durchgeführt wird. Im baden-württembergischen Lehrplan ist für diese Klassenstufe, unabhängig vom 8er-Rat, das Thema „Politik in der Kommune“ als ein Schwerpunkt im Politikunterricht vorgesehen. Daher bietet es sich an, mit Schülern dieser Klassenstufe ein Projekt zu diesem Thema durchzuführen.

Das Projekt teilt sich innerhalb des Jahres in vier Schritte auf: Schritt 1 sieht eine theoretische Einführung und Vorbereitung in das Themengebiet im Rahmen des Politikunterrichts vor. Der zweite Schritt besteht aus schulübergreifenden Tagungen zur Vernetzung und zur Diskussion von Ideen und Themenvorschlägen. Daraufhin werden die Ergebnisse dieser Konferenzen in die kommunale Politik getragen und mit dieser diskutiert. In einer abschließenden Veranstaltung werden schließlich die Ergebnisse besprochen und evaluiert.

Das Beispiel Freiburg

Wie genau der 8er Rat funktionieren kann, wie er umgesetzt wird und welche Auswirkungen er auf Schüler hat, kann zum Beispiel in der Stadt Freiburg beobachtet werden, die das Modell seit mehreren Jahren erfolgreich mit einigen Schulen umsetzt. Bereits mehrere Jahrgänge konnten auf diesem Wege ihre Interessen in die Kommunalpolitik einbringen und die Prozesse hautnah miterleben. Das Freiburger Projekt gewann so 2017 unter anderem den Sonderpreis im Bereich Schule des Bundesausschusses für politische Bildung.

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Literaturhinweise

Johannes Drerup, Gottfried Schweiger (Hrsg.)

Politische Online- und Offline-Partizipation junger Menschen

J.B. Metzler, Stuttgart, 2019, ISBN: 978-3-476-04744-1.

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Roland Roth, Udo Wenzl

Jugendlandtage in den Bundesländern – Zwischen Dialog, Beteiligung, politischer Bildung und Nachwuchsförderung

2019, ISBN: 978-3-922427-24-7.

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EU-Generaldirektion für Bildung, Jugend, Sport und Kultur

Study on the impact of the internet and social media on youth participation and youth work

In: 2018, ISBN: 978-92-79-79849-8 .

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Ahmet Derecik, Marie-Christine Goutin, Janna Michel

Partizipationsförderung in Ganztagsschulen. Innovative Theorien und komplexe Praxishinweise

Springer VS, Wiesbaden, 2018.

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Birgit Böhm, Christiane Sell-Greiser

Jugendbeteiligung im ländlichen Raum muss neu gedacht werden

In: Jörg Sommer (Hrsg.): Kursbuch Bürgerbeteiligung #2 , Verlag der Deutschen Umweltstiftung | bipar, Berlin, 2017, ISBN: 978-3942466-15-8.

(Abstract | Links | BibTeX)

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