Urbane Transformation

Davide Brocchi zeigt in seinem Werk „Urbane Transformation. Zum guten Leben in der eigenen Stadt“ wie vielseitig und bunt Partizipation sein kann. Mit dem vorgestellten „Tag des guten Lebens“ präsentiert er ein spannendes Projekt, das innovativ Beteiligung mit Nachhaltigkeit verbindet.

Veränderung beginnt im Kleinen. Wandel wächst im Lokalen. Transformation entsteht in der Stadt. So in etwa ließe sich eine zentrale Botschaft des Buches „Urbane Transformation“ subsumieren: Eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung bedarf mehr bottom-up Ansätzen, bunten Beteiligungsmöglichkeiten und einer „Rückeroberung lokaler Räume durch die Bürger/innen“ (vgl. S. 29).

Mit dem „Tag des guten Lebens“ – ein jährlich in Köln stattfindender Tag mit autofreier Zone und selbstverwalteten Aktionen – präsentiert Davide Brocchi ein Fallbeispiel zur urbanen Transformation. Dabei bietet er dem Leser einen tiefen Einblick in die Planung, Ausführung und Evaluation der Aktion. Zwischen 60.000 und 100.000 Menschen begeisterte der Tag bisher und die Devise lautet: Jeder kann sich beteiligen.

Das vorliegende Werk verbindet lesenswert Theorie und Praxis. Sozialwissenschaftliche Informationen bilden die Grundlage für die empirischen Betrachtungen in den nachfolgenden Kapiteln und ermöglichen so ein nachvollziehbares Gesamtbild. Das Werk richtet sich dabei nicht nur an Beteiligte des Projektes, sondern auch an das interessierte Fachpublikum und nicht zuletzt an engagierte Bürger.

Zum Inhalt

Das Buch kann in drei übergeordnete Abschnitte gegliedert werden, die schlüssig und sachlogisch aufeinander aufbauen. Im ersten Kapitel geht Brocchi der Frage nach: Wieso gerade die Stadt als wichtiger Raum der Veränderung in Frage kommt? Dabei fokussiert sich der beschriebene Ansatz auf eine „lokale nachhaltige, selbsttragende Entwicklung“ (vgl. S. 62), welche auf möglichst breiter, bunter und autonomer Partizipation fußt. Die Idee zielt dabei auf eine Beteiligung außerhalb fester Strukturen ab: Neu gebildete Nachbarschaftsinitiativen, Kultureinrichtungen oder auch Interessengemeinschaften sollen involviert werden, sich neu vernetzen und Partizipation einmal auf einer ganz anderen Ebene erlebbar machen.

Im folgenden Kapitel konkretisiert der Autor diesen Transformationsansatz, indem der „Tag des guten Lebens“ angefangen vom ersten Entwurf bis hin zur kritischen Evaluation umfassend beschrieben und mit Zitaten vieler Beteiligter untermalt wird. Besonders gut gelingt es ihm, sowohl positive Aspekte des Projektes (große Vielfalt, gute Organisation) als auch negative Punkte (Probleme mit Anwohnern und Fördergeldern) kritisch zu reflektieren.

Im letzten Abschnitt werden erste Ergebnisse resümiert, wichtige Spannungsfelder des Projektes aufgezeigt und ein grober Ausblick für weitere „Tage des guten Lebens“ gegeben. Dieser Teil eignet sich besonders gut als Inspirationsquelle für andere Initiatoren, da Brocchi hier sowohl auf der Ebene der Planung als auch der Umsetzung mit vielen hilfreichen Tipps und Anregungen punktet. Nachmachen ausdrücklich erwünscht!

Fazit

Dem Buch „Urbane Transformation“ gelingt es, Mechanismen der Beteiligung mit nachhaltigen Zielen und innovativen Konzepten der Transformation zu verbinden. Die Einblicke, die durch Brocchi als Initiator des „Tag des guten Lebens“ gewährt werden, zeigen wie Partizipation auf kreative Weise konkret gestaltet, durchgeführt und evaluiert werden kann. Dabei wird deutlich, dass Partizipationsabläufe keinesfalls konfliktfrei vonstatten gehen und sich meistens eher als lernende Prozesse gestalten. So ist eben auch der „Tag des guten Lebens“ ein großes Beteiligungsexperiment mit offenem Ausgang.

Buchinformationen

Herausgeber: Die Urbanisten e. V.
Autor: Davide Brocchi
Titel: „Urbane Transformation. Zum guten Leben in der eigenen Stadt“
Verlag: VAS – Verlag für Akademische Schriften
Erscheinungsjahr: 2017
ISBN 978-3-88864-549-5