Partizipatives Reallabor

Foto: Mark Schwalm

Die Wurzeln des Reallabors liegen in der Planungszelle der Forschungsstelle Bürgerbeteiligung der Bergischen Universität Wuppertal (siehe Bürgergutachten/Planungszelle sowie Forschungsstelle Bürgerbeteiligung der Bergischen Universität Wuppertal), die von Prof. Dr. Hans J. Lietzmann geleitet wird. Das Verfahren wurde Anfang der 1970er Jahre als Instrument zur Beteiligung von BürgerInnen an politischen Entscheidungsprozessen entwickelt und seither auf nationaler und internationaler Ebene vielfach erfolgreich eingesetzt (siehe z. B. die Planungszelle Wermelskirchen).

Für den Umgang mit komplexen Fragestellungen stellt das Konzept des partizipativen Reallabors ein hochinklusives und zugleich experimentelles Beteiligungsverfahren auf lokaler Ebene dar, in dessen Fokus die beteiligungsorientierte Herausbildung von Zielwissen steht.

Zentral für das Reallabor ist, dass es gleichermaßen BürgerInnen sowie InteressenvertreterInnen mit einbezieht und einen umfassenden thematisch fokussierten Austauschdialog zwischen ihnen gestaltet. Zu diesem Zwecke gliedert sich das mehrtägige Verfahren in drei verschiedene Labs. Erhalten wird hierdurch ein differenziertes Wissen über die je eigenständige Expertise sowie über thematische Abgrenzungen untereinander. In einem unmittelbaren Austauschprozess werden die Bottom-up-Verständnisse und Lösungswege der BürgerInnen mit der pluralen ökonomisch-technischen, politisch-administrativen bzw. ökologischen Expertise der InteressenvertreterInnen in ein produktives Verhältnis gebracht. Mit der anschließenden beteiligungsorientierten Priorisierung (nicht Festlegung) hervorgehobener Standards wird eine bürgerschaftlich verlässliche Realitätssicht geschaffen.

Verfahrenskonzept

Ja

Funktion

Konsultation; Mitbestimmung

Gruppengröße

Großgruppen > 30 Personen

Teilnehmer (Min)

30

Teilnehmer (Max)

50

Zielgruppe

Allgemeinheit

Vorbereitung
  • Im Rahmen der inhaltlichen Vorbereitung steht die Konzeptionierung des Arbeitsprogramms im Fokus. Gegliedert in thematisch spezifizierte Arbeitseinheiten wird die Vermittlung von Expertenwissen und das Fachmaterial in seinem methodischen und zeitlichen Ablauf strukturiert.
  • Neben der Organisation geeigneter Räumlichkeiten und Materialien erfolgt der Auswahl- und Einladungsprozess. Für das BürgerLab gehören neben der aleatorischen Auswahl auch die Organisation von geeigneten Unterstützungsleistungen für die Teilnahmebereitschaft (Bildungsurlaub, Kinderbetreuung, Dolmetscher).
Ablauf

Im Rahmen des mehrtägigen Reallaborverfahrens arbeiten die Teilnehmer nach einem festen Arbeitsprogramm an der gestellten Aufgabe. In einzelne, thematisch spezifizierte Arbeitseinheiten strukturiert, bietet das Arbeitsprogramm die notwendige Zeit zur Information, Erörterung und Entscheidungsfindung, ist aber zugleich auch ein begrenzender Rahmen, der ein Ausufern der Diskussion verhindert. In den Arbeitseinheiten werden die Teilnehmenden zunächst durch geladene Experten von unterschiedlichsten Ämtern, Organisationen und Institutionen informiert. Erörtert und in Bezug zu den persönlichen Erfahrungen und dem Alltagswissen gesetzt werden diese Sachinformationen in unmoderierten deliberativen Foren. Diese werden nach dem Zufallsprinzip in jeder Arbeitseinheit neubesetzt. Möglichen Gruppendynamiken und Meinungsführerschaft wird dadurch entgegengewirkt und eine faire Diskussion erreicht. Die Ergebnisse der deliberativen Kompromissbildung werden im Plenum präsentiert und bewertet. Verschiedene Sichtweisen und Perspektiven kommen ebenso zu Wort sowie auch dem Einlassen auf Argumente, Meinungsänderungen genügend Zeit eingeräumt wird.

Das Ergebnis des Reallabors ist ein Bürgergutachten. Das Bürgergutachten fasst den Verfahrensablauf und die erarbeiteten Ergebnisse zusammen. Dies dient der Transparenzsicherung sowie der Nachvollziehbarkeit des Gesamtentstehungsprozesses. Zudem können die Ergebnisse als Handlungsempfehlung und Hinweis in weitere politische Entscheidungsprozesse einfließen.

Material
  • ExpertInnen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zur Vermittlung von Sachwissen.
  • Geeignete Räumlichkeiten inkl. Arbeits- und Präsentations- sowie Cateringmöglichkeiten.
  • Arbeitsmaterial für die TeilnehmerInnen.
Tipps und Anregungen

Das zwingend ergebnisoffene Verfahren muss von einem neutralen, im Idealfall gemischten Moderatorenteam begleitet werden. Je eine Moderatorin und ein Moderator erläutern das methodisch strukturierte Programm und die einzelnen Verfahrensabläufe pro Gruppe und achten dabei auf die Einhaltung des Zeitplans. Weder auf die Inhalte des Programms noch auf die Vermittlung der Sachinformationen darf Einfluss ausgeübt werden.

Dauer

Mehrere Tage

Kosten pro Teilnehmer

< 10 €

Anforderung an Moderation

mittel

Professionelle Moderation

erforderlich

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