Deliberative Mapping

Beim Deliberativen Mapping entwickeln Fachleute und Bürger gemeinsam in einem konsultativen Verfahren priorisierte Handlungsalternativen zur Bearbeitung eines Konfliktthemas.

Foto: Innovation Lab via flickr.com , Lizenz: CC BY 2.0

Das Deliberative Mapping ist ein Verfahren zur Einbindung von Bürgern und Experten in einem kontroversen Diskursprozess zu einem bestimmten Thema. Mit einer speziellen Panelstruktur soll ein dialogischer Austausch ermöglicht werden, ohne dass der Meinungsbildungsprozess von Fachleuten dominiert wird. Am Ende des Verfahrens steht ein priorisiertes Set von Handlungsalternativen.

Verfahrenskonzept

Verfahren

Funktion

Konsultation

Gruppengröße

Sehr große Gruppen >50 Personen; Großgruppen >30 Personen

Teilnehmer

  • 40 Bürger
  • 20 Experten

Zielgruppe

Allgemeine Öffentlichkeit

Vorbereitung

Es gilt, Bürger mit möglichst unterschiedlichem sozio-ökonomischen Status einzuladen. Weiterhin werden etwa 20 Spezialisten benötigt, die im Idealfall alle Felder des Konfliktthemas fachlich abdecken. Sie sollten verschiedenen Gesellschaftsbereichen wie Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung angehören.

Ablauf

Der Ablauf kann in sechs Sitzungen unterteilt werden:

  1. Sitzung: Die teilnehmenden Bürger werden in homogene Arbeitsgruppen (Panels) aufgeteilt, innerhalb derer sie sich zunächst über ihre persönliche Motivation zur Teilnahme am Verfahren austauschen. Moderatoren unterstützen koordinierend den Dialog. Anschließend werden die Teilnehmenden in die Konfliktstruktur des Themas und seine gesellschaftlichen Auswirkungen eingeführt.
  2. Sitzung: Das Wissen der Fachleute wird anhand geeigneter Beteiligungsformate – bspw. Interviews oder Workshops – zusammengetragen und anschließend den Bürgern präsentiert. Diese diskutieren daraufhin die vorgestellten Ergebnisse und können ihrerseits ergänzende Aspekte einbringen. Dann finden sich die Verfahrensmitglieder in Zweiergruppen zusammen und tauschen sich über die vorgestellten Alternativen aus. Zum Abschluss der Sitzung kommen die Teilnehmenden in einem Gruppengespräch zusammen, das zum Meinungsaustausch im größeren Kreis dient.
  3. Sitzung: Die Bürger erarbeiten gemeinsam Evaluationskriterien zur Bewertung der Lösungsansätze. Anschließend wird mit allen Anwesenden über die Aufnahme der vorgeschlagenen Kriterien in einen Evaluationskatalog diskutiert.
  4. Sitzung: Anhand des Evaluationskataloges werden nun die einzelnen Vorschläge zur Themenbearbeitung eingeschätzt. Die Teilnehmenden können individuell vorläufige Bewertungen zu den einzelnen Handlungsalternativen abgeben, die in der Gruppe anschließend diskutiert werden. In diesem Schritt können mögliche Unsicherheiten in Bezug auf die Kriterien geklärt werden. Die im Konsens ausgewählten Handlungsoptionen werden in dem anschließenden Workshop den Fachleuten vorgestellt und mit diesen erörtert. Ziel ist es, das gegenseitige Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven zu fördern. Anschließend stehen die Fachexperten in einem informellen Rahmen für einen weiteren Austausch zur Verfügung.
  5. Sitzung: Die Bürger nutzen die Anregungen und Änderungsvorschläge der Experten zur Verbesserung der erarbeiteten Lösungsansätze. Anschließend bewerten sie die unterschiedlichen Verfahrensalternativen mittels einer Punkteskala. Auf diese Weise entsteht letztlich ein priorisiertes Ranking aller Vorschläge.
  6. Sitzung: Alle gesammelten Informationen, Lösungsvorschläge und die finale Rangfolge der Alternativen werden in einem Abschlussbericht zusammengefasst und an die Entscheidungsträger übergeben.

Benötigtes Material

  • Räumlichkeiten
  • Arbeitsmaterialien

Tipps und Anregungen

Bei der Aufteilung der Bürger in unterschiedliche Panels sollte der sozio-ökonomische Hintergrund berücksichtigt werden. Unter Panels sind Arbeitsgruppen zu verstehen, die über mehrere Sitzungen hinweg in der gleichen Struktur bestehen bleiben. So kann bspw. eine Gliederung nach Alter oder Bildungsgrad förderlich sein, um eine vertrauten Umgebung zu schaffen und die freie Meinungsäußerung zu fördern.

Dauer

Mehrere Monate

Kosten

10.000 – 30.000 Euro

Anforderung an Moderation

hoch

Professionelle Moderation

erforderlich

Weiterführende Literatur

demokratie.plus - der Podcast