METHODENDATENBANK: PARTIZIPATION IN DER ARBEITSWELT

Planspiel

Planspiele können komplexe Frage- und Problemstellungen bearbeiten und dabei zahlreichen Teilnehmenden eine Chance zur aktiven Mitwirkung bieten.

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Allgemein

Ein Planspiel versucht, problem- und sachorientiert, komplizierte und abstrakte Zusammenhänge durch eine vereinfachte Darstellung durchschaubar und nachvollziehbar zu machen. Probleme, die eine Entscheidung erfordern, werden kooperativ gelöst. Planspiele machen sichtbar, wie bestimmte Rollen innerhalb eines Systems funktionieren können oder müssen, wie z. B. gesellschaftliche, wirtschaftliche, juristische, soziale oder institutionelle Zwänge das Verhalten von Einzelpersonen und Gruppen bestimmen. Planspiele haben eine lange Geschichte. Bereits die alten Ägypter wendeten nachweislich Planspiele an, um militärische Unternehmungen, aber auch z. B. den Pyramidenbau möglichst optimal vorzubereiten. Handlungsorientierte Planspiele sind ausgezeichnet für partizipative Prozesse geeignet. Dabei versteht die Planspielleitung sich lediglich als Impulsgeber. Was im Verlauf des Spielgeschehens daraus wird, entscheidet sich bei jedem Planspiel neu. Das Ende ist offen und die gemeinsame Reflexion aller Teilnehmenden ein wesentliches Element des Formats.

Ablauf

Zunächst wird durch die Planspielleitung das Thema und die Ausgangssituation definiert. Beispielsweise plant eine bedeutende Firma, der größte Arbeitgeber im Ort, radikale Umwälzungen, um den neuen Marktanforderungen gerecht zu werden. Natürlich sind die Mitarbeitenden und die Kommune alles andere als begeistert, denn für sie wäre eine solche Standortverlagerung eine Katastrophe. Die Lösung des Problems muss im Spiel gefunden werden. Bei einer solch unterschiedlichen Interessenslage ist klar, dass es eine für alle zufriedenstellende Lösung nicht geben kann, denn die Interessen sind teilweise diametral entgegengesetzt. Genau diese Interessengegensätze sollen im Planspiel herausgearbeitet werden. Sie zu erkennen, die eigenen Interessen präzise zu formulieren und um eine für alle akzeptable Lösung zu ringen, wird von den Mitspielenden verlangt. Basierend auf der Ausgangssituation legt die Planspielleitung die Gruppen fest. In unserem Fall könnten dies z. B. die Geschäftsführung des Unternehmens, der Betriebsrat, die Gewerkschaft, die Stadtverwaltung und die Lokalzeitung sein. Zu Beginn erhalten alle Teilnehmenden Informationen über die Ausgangssituation und jeweils noch einige Hinweise zu den Interessen ihrer jeweiligen Gruppe. Danach ziehen sich die jeweiligen Gruppen in einen eigenen Raum zurück, beratschlagen ihre Strategie und beginnen mit der Kommunikation. Diese verläuft zunächst ausschließlich schriftlich und immer über die Planspielleitung. In einer späteren Phase (nach ca. 1–2 Stunden) kann die Planspielleitung auch direkte Kontakte nach vorheriger Anmeldung über die Planspielleitung erlauben. Den Höhepunkt und Abschluss bildet eine gemeinsame Veranstaltung (z. B. Empfang, Podiumsdiskussion o. ä.), die von der Planspielleitung moderiert wird. Unmittelbar danach erfolgt die gemeinsame Auswertung, die zentraler Bestandteil des Formates ist.

Besonderheiten

Ist der Kreis der Teilnehmenden sehr inhomogen, d. h. sind sehr planspielerfahrene Teilnehmende mit weniger erfahrenen gemischt, empfiehlt es sich, die Gruppen zu mischen. Auf keinen Fall dürfen ausschließlich unerfahrene Spieler*innen in eine Gruppe. Es besteht sonst die Gefahr, dass diese Gruppe erst gar nicht den Einstieg ins Spielgeschehen findet. Sollte sich eine solche Zusammensetzung einmal nicht vermeiden lassen, weil zu wenig erfahrene Spieler*innen beteiligt sind, so muss sich die Planspielleitung in der Anfangsphase intensiv um diese Gruppe kümmern.

Umsetzung

Aufgaben: Planen, Analysieren, Aktivieren, Konflikte bearbeiten

Kontext: Betriebsrat, Vertrauensleute, Mitgliederbeteiligung, Krisen im Unternehmen

Kanal: analog

Schwierigkeit: hoch

Gruppengröße: ab ca. 15 Personen

Dauer: ein bis mehrere Tage