Junge Menschen beteiligen

Vorstellung des Projektes "Jugendbeteiligung bei Bürgerbudgets"

Das Projektteam von „Jugendbeteiligung bei Bürgerbudgets“ (JUBU) rund um den Potsdamer Politikwissenschaftler Dr. Carsten Herzberg will das Engagement junger Menschen in kommunalen Beteiligungsprozessen in Brandenburg stärken.

Was sind Bürgerbudgets?

Bürgerbudgets sind ein Beteiligungsinstrument, bei dem festgelegte Geldbeträge von Gemeinden bereitgestellt werden, um damit Vorschläge der Einwohner*innen zu realisieren. In der Regel handelt es sich um kleinteilige Projekte wie zusätzliche Parkbänke, Nachbarschaftsfeste oder Spielgeräte auf Spielplätzen. Bürgerbudgets sind somit eine besondere Form von Bürgerhaushalten mit einem vorher festgelegten Budget. Die Verfahren der Bürgerbudgets können von den Gemeinden sehr unterschiedlich ausgestaltet sein, gemein ist den meisten jedoch, dass die Bewohner*innen nicht nur Vorschläge einreichen, sondern auch in einem Abstimmungsverfahren entscheiden können, welche der Projekte vom Budget finanziert werden. Häufig dürfen sich auch Jugendliche ab 12 oder 14 Jahren am Bürgerbudget beteiligen.

Arbeitsweise und Ziele von JUBU

Das Projektteam (Carsten Herzberg, Martina Rumpel und Roman Poplawski) arbeitet zunächst eng mit seinen drei Pilotkommunen zusammen. In Potsdam, Eberswalde und Nuthetal wollen sie Praxiserfahrungen sammeln und dafür mit Gruppen junger Menschen zusammenarbeiten.

Bürgerbudgets eignen sich gut, um Demokratie erlebbar zu machen: Am Ende des demokratischen Engagements besteht die Chance auf Finanzierung eigener Vorschläge. Zuvor ist jedoch ein demokratischer Zyklus zu durchlaufen. Das JUBU-Team bietet an, Treffen zu organisieren und mit niedrigschwelligen Beteiligungsmethoden zu moderieren. Eine Gruppe kann so zunächst Ideen sammeln – „Wie lebe ich in meinem Stadtteil oder Ortsteil?“, „Was würde ich hier verändern?“ –, diese als Vorschläge ausarbeiten, sie mit anderen diskutieren und schließlich zum Bürgerbudget einreichen.

Der demokratische Zyklus von Bürgerbudgets

JUBU will außerdem Faktoren ergründen, die dazu beitragen, dass junge Menschen sich noch besser bei Bürgerbudgets beteiligen können. Das Anfang 2020 gestartete Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Robert Bosch Stiftung, dem Landespräventionsrat Brandenburg und der Landeshauptstadt Potsdam und ist beim Potsdamer mitMachen e. V. angesiedelt.

Erstes Zwischenfazit

Trotz der auf Grund von Covid-19-Pandemie bedingten Beschränkungen und Umplanungen konnten im ersten Jahr die angedachten Projektziele umgesetzt werden. So ist JUBU mittlerweile mit wichtigen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen in den oben genannten Projektkommunen gut vernetzt. Erste Kooperationen und Veranstaltungen für das kommende Jahr stehen bereits fest oder werden geplant. Bereits veröffentlicht wurde ein Instrumentenkoffer zur Beteiligung junger Menschen bei Bürgerbudgets. Eine Studie zu Brandenburger Bürgerbudgets folgt demnächst und wird auf der Projekthomepage zum Download angeboten werden.

Zukünftige Projektaktivitäten

In den folgenden Jahren will das JUBU-Team die in den Pilotkommunen gesammelten Erfahrungen weiteren Gemeinden im Land Brandenburg und Nachbarregionen zur Verfügung stellen. Hierfür plant „Jugendbeteiligung bei Bürgerbudgets“ bereits weitere Publikationen und in naher Zukunft neben der Arbeit in Kommunen auch Fortbildungen und Beratungsangebote.

Arbeitsweise von JUBU

Literatur

Zu den Personen

Dr. Carsten Herzberg ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent für Demokratie und Gemeinwesen im Rahmen des von ihm geleiteten Projektes „Jugendbeteiligung bei Bürgerbudgets“. In der Vergangenheit hat er an verschiedenen wissenschaftlichen und praxisorientierten Einrichtungen zum Thema Beteiligung von Einwohner*innen gearbeitet und hierzu umfangreich publiziert.

 

Martina Rumpel hat Europäische Ethnologie und Sinologie studiert. Anschließend hat sie die Klimawerkstatt Werder mit aufgebaut. Dort hat sie durch die Konzeption, Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, Projekten und Workshops die theoretische und praktische Beschäftigung mit dem Thema Klimaschutz ermöglicht. Seit April 2020 arbeitet sie im Projekt „Jugendbeteiligung bei Bürgerbudgets“ des mitMachen e. V. mit.

 

Roman Poplawski hat Soziale Arbeit und Osteuropastudien studiert. Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst in einer Brandenburger Jugendhilfeeinrichtung. Während des Studiums beteiligte er sich an Projekten im Bereich des internationalen Jugendaustauschs. In der Vergangenheit koordinierte er außerdem eine deutsch-polnische Simulation des Jungen Europäischen Parlaments in Frankfurt/Oder. Seit September 2020 arbeitet er im Projekt „Jugendbeteiligung bei Bürgerbudgets“ des mitMachen e. V. mit.

Literaturhinweise

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Rüdiger May

Anmerkungen zur Partizipation des Bürgers in der bundesdeutschen Demokratie

In: Daniel Dettling (Hrsg.): Die Zukunft der Bürgergesellschaft: Festschrift für Warnfried Dettling , VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2008, ISBN: 978-3-531-16198-3.

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Angelika Eickel

Demokratische Partizipation in der Schule

In: Angelika Eickel, Gerhard de Haan (Hrsg.): Demokratische Partizipation in der Schule: ermöglichen, fördern, umsetzen, S. 7-39, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts., 2007.

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Fritz Oser, Horst Biedermann

Partizipation – ein Begriff, der ein Meister der Verwirrung ist

In: Carsten Quesel, Fritz Oser (Hrsg.): Die Mühen der Freiheit: Probleme und Chancen der Partizipation von Kindern und Jugendlichen, S. 17-37, Rüegger, Zürich, 2006.

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Stef Steyaert, Hervé Lisoir, Michael Nentwich

Leitfaden partizipativer Verfahren. Ein Handbuch für die Praxis

ITA-Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien, 2006.

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Kerstin Arbter, Martina Handler, Lisa Purker, Georg Tappeiner, Rita Trattnigg

Die Zukunft gemeinsam gestalten. Das Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung

Wien, 2005.

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