Karussellgespräch

Das Austauschformat Karussellgespräch ermöglicht es auf einfache Weise, dass auch in größeren Gruppen ein direkter Erfahrungsaustausch möglich wird. Durch ein ausgeklügeltes Rotationssystem funktioniert die Methode effektiv und niedrigschwellig.

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Wie kann man einen Austausch zwischen vielen Personen so gestalten, dass trotzdem ein persönlicher Draht zueinander geschaffen wird? Die Methode des Karusselgesprächs bietet dazu eine gute und zeiteffektive Möglichkeit. Das Karussellgespräch, das auch Kugellager genannt wird, lässt sich im Bereich der Beteiligung vielfältig anwenden. In allen Zusammenhängen, in denen im 1:1 Gespräch zwischen zwei Personen Informationen, Erfahrungen oder Meinungen ausgetauscht werden sollen, ist das Verfahren nutzbar, um in kurzer Zeit mit möglichst vielen und vielfältigen anderen Menschen zu beratschlagen.

Der Name der Methode beruht darauf, dass zwei Kreise gebildet werden: Ein Innen- und ein Außenkreis, wobei die Menschen sich dabei gegenseitig anschauen. Die Personen im Innenkreis richten ihr Gesicht also nach außen, die Menschen im Außenkreis wiederum nach innen. Da nach einer gewissen Zeit einer der beiden Kreise rotiert, wirkt die Konstellation wie ein Kugellager oder ein Karussell.

Modell eines Karussellgesprächs, eigene Darstellung

VERFAHRENSKONZEPT

nein

FUNKTION

Konsultation

GRUPPENGRÖSSE

Großgruppen > 30 Personen; Mittlere Gruppen 15-30 Personen

TEILNEHMER (MIN)

8

TEILNEHMER (MAX)

50

ZIELGRUPPE

Allgemeinheit

VORBEREITUNG

Im Vorhinein muss das Ziel der Veranstaltung benannt werden. Es ist methodisch sowohl Themenoffenheit wie auch -gebundenheit bei den Gesprächen möglich und eine Festlegung kontextabhängig. Dabei ist entscheidend, ob dem Vorgehen eher eine offene Fragestellung wie bei der Generierung von Ideen oder dem Austausch über das Zusammenleben in Zukunft zugrunde liegt oder die Erörterung eines vorgegebenen, eng abgesteckten Themas erfolgen soll.

ABLAUF

Die Teilnehmenden werden aufgefordert, sich in einem Innen- und einem Außenkreis aufzustellen, die zueinander gerichtet sind. Daraufhin wird das Thema für die erste Runde bekanntgegeben. Zuerst darf der Innenkreis für eine festgelegte Zeit sprechen (je nach Thema etwa 1-2 Minuten), dann wird eine Glocke geläutet und die Mitglieder des Außenkreises erhalten das Wort. Beim nächsten Läuten der Glocke rückt entweder der Innen- oder der Außenkreis im Uhrzeigersinn einen Platz weiter. In der nun folgenden nächsten Runde kann entweder das gleiche Thema weiterbehandelt werden oder eine neue Fragestellung bestimmt werden. Nun wiederholt sich das obige Procedere. Dieses Verfahren kann beliebig viele Runden fortgesetzt werden, maximal so oft, bis der Außenkreis einmal komplett rotiert hat.

Optional kann am Ende eine Evaluationsrunde durchgeführt werden, in der die Teilnehmer in der großen Gruppe von ihren Erfahrungen und Eindrücken aus dem 1:1 Austausch berichten.

MATERIAL

  • Glocke
  • Ein ausreichend großer Raum, in dem die Bestuhlung flexibel gestaltet werden kann (schlecht geeignet wäre z. B. ein Hörsaal)

TIPPS UND ANREGUNGEN

  • Wenn abzusehen ist, dass der Austausch länger dauern wird, bietet es sich an, zwei Stuhlkreise zu bilden, damit die Teilnehmer nicht so lange stehen müssen.
  • Falls der Raum aufgrund seiner Form keinen großen Kreis zulässt, ist es auch möglich, mehrere separate Innen- und Außenkreise zu bilden. Dies bietet sich auch an, wenn verschiedene Themen in verschiedenen Karussellgesprächen diskutiert werden soll. In diesem Fall kommt dem gemeinsamen Austausch am Ende des Formats eine erhöhte Bedeutung zu, um die unterschiedlichen Eindrücke und Erfahrungen zu bündeln.
  • Allgemein empfiehlt sich bei mehr als 40 Teilnehmenden die Bildung von zwei Kreisen, sodass jeweils 20 Teilnehmer ein Kugellager bilden.
  • Es kann zu einem erhöhten Lärmpegel kommen, da viele Menschen gleichzeitig sprechen. Der Moderation obliegt es hier ggf. bei der Ankündigung der nächsten Runde, um eine gemäßigte Gesprächslautstärke zu bitten.
  • Es muss eine gerade Anzahl an Teilnehmern geben, damit immer Gesprächspaare gebildet werden können. Gibt es eine ungerade Anzahl an Teilnehmenden, kann die Moderation ggf. den letzten freien Platz einnehmen.

DAUER

je nach Rundenanzahl und Teilnehmerzahl etwa 20-90 Minuten

KOSTEN PRO TEILNEHMER

<10 €

ANFORDERUNG AN MODERATION

gering

PROFESSIONELLE MODERATION

nicht erforderlich

Das nachfolgende Video veranschaulicht das Vorgehen: