Demokratienähe und -distanz

Eine neue Studie analysiert anhand des Berliner Bezirkes Marzahn-Hellersdorf Gründe und Motive für demokratiefernes Verhalten bei jungen Menschen.

bipar - Jugendbeteiligung Foto: bipar

Eine jüngst erschienene Studie analysiert, wie sich demokratieferne Einstellungen bilden und in welchen Formen und Handlungen sich diese manifestieren. Im Fokus der Untersuchung stehen dabei die Motive für eine Abwendung vom demokratischen Gemeinwesen gepaart mit einer potenziellen Hinwendung zu antidemokratischen Bestrebungen. Zu diesem Zweck wird der Bezirk Marzahn-Hellersdorf in Berlin untersucht, welcher zuletzt durch den großen Wahlerfolg der AfD auf sich aufmerksam machte.

Aufbau der Studie

Das mehrjährige Forschungsprojekt befindet sich momentan noch in der Durchführung. Im ersten Schritt sollen über einen Einstellungsfragebogen Nähe oder Ferne der Befragten zur Demokratie ermittelt werden. In der bisherigen Phase beschränkte sich die Umfrage auf Kinder und Jugendliche in Jugendfreizeiteinrichtungen in dem Bezirk. Dazu wurde unter anderem abgefragt, wie die Befragten zur Demokratie stehen, ob sie sich in ihrem Privatleben engagieren und ob sie sich in ihrer Wohngegend wohlfühlen. Im veröffentlichten Zwischenbericht wurden dafür 41 Fragebögen ausgewertet, wobei die Befragten mehrheitlich Schüler (51,2 %), Auszubildende (14,6 %) oder Arbeitnehmer (9,8 %) darstellten. Da bisher nur vier von 11 geplanten Einrichtungen befragt wurden, beanspruchen die Forscher keine Repräsentativität für die erhobenen Zwischenergebnisse.   

Erste Ergebnisse des Zwischenberichts

Das Forschungsteam unterscheidet in seiner Studie zwischen zufriedenen, kritischen und distanzierten Demokraten. Dabei lassen sich 15,7 % der Befragten als zufriedene Demokraten einstufen, da sie sich „sehr“ oder „ziemlich“ für die Idee der Demokratie aussprechen und gleichzeitig „sehr“ oder „ziemlich zufrieden“ mit der Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland sind. Kritische Demokraten – ebenfalls 15,7 % – bewerten zwar die Idee der Demokratie positiv, sind bei der aktuellen Umsetzung aber bestenfalls „etwas zufrieden“. Distanzierte Demokraten (52,6 % der Befragten) bewerten beide Möglichkeiten als bestenfalls „etwas zufrieden“.

Wie in Abbildung 1 deutlich wird, sprechen sich insgesamt über 30 % der Befragten mindestens „etwas gegen“ die Idee der Demokratie aus. Das dazu gerade einmal 10 % der befragten jungen Menschen „sehr für“ die Idee der Demokratie sind, stimmt nachdenklich. 

Die Abbildung 2 verstärkt dieses Gefühl. Knapp 40 % der Studienteilnehmenden äußerten sich mindestens leicht abgeneigt gegenüber der Demokratie in Deutschland. 

Wahlverhalten und Engagement der Befragten

Neben den Haltungen zur Demokratie wurden die Kinder und Jugendlichen auch nach ihrem theoretischen Wahlverhalten gefragt. Mit einem Anteil von 24,4 % der Befragten lag der Teil der potenziellen Nichtwähler vor dem der SPD (17,1 %) und der AfD mit 12,2 %. 

Bei den Fragen zum Engagement gaben nur rund ein Viertel der befragten Kinder und Jugendlichen an „Es ist wichtig, sich zu engagieren“. Dabei sind es vor allem die Aussicht auf Erfolg des Vorhabens (51,2 %) und eine eigene Betroffenheit (51,3 %), die bei den jungen Menschen aktivierend wirken. Allerdings äußerte fast die Hälfte, das sie es nicht so wichtig findet, sich zu engagieren (43,9 %). 

Fazit

Der Zwischenbericht der vorliegenden Studie liefert einen guten, wenn auch noch nicht repräsentativen Einblick, wie früh Kinder und Jugendliche sich schon von der Demokratie und dem Wunsch nach aktiver Teilhabe entfernen können. Dies verdeutlicht einmal mehr die fundamentale Bedeutung umfassender politischer Bildung kombiniert mit altersgerechten Teilhabeangeboten. 

Den vollständigen Studienbericht können Sie hier herunterladen.