Indaba-Methode

Bild: © stratopol

Es handelt sich ursprünglich um eine Art Konferenz der führenden Stammeskrieger der Zulu, insbesondere um eine spezifische Art wertschätzender Verhandlung unterschiedlicher Meinungen und Interessen. Bekannt geworden ist sie im Zusammenhang mit der COP 21, als sie den Verhandlungen der Staatengemeinschaft beim Klimagipfel in einer festgefahrenen Situation zum Durchbruch verholfen hat. In der modernen Anwendung ist es ein Partizipationstool, das in Meetings und Vertragsverhandlungen Anwendung findet und zum Ziel hat, einen Konsens zwischen den beteiligten Akteuren – in der Regel Entscheider oder mandatierte Vertreter – herzustellen. Dazu gibt es neben der Kommunikation in einer großen Gruppe zusätzlich die Möglichkeit in Face-to-Face Gesprächen unter Einbezug eines neutralen Akteurs Verfahrensfortschritte zu erzielen.

Verfahrenskonzept

Ja

Funktion

Entscheidungsfindung; Mitbestimmung

Gruppengröße

Großgruppen >30 Personen

Teilnehmer (Min)

30

Teilnehmer (Max)

mehrere hundert Teilnehmer

Zielgruppe

Entscheider

Vorbereitung
  • Erstellung einer Textvorlage, deren Inhalt zur Diskussion gestellt werden soll und unter den Beteiligten verteilt wird.
  • Bereitstellung von Räumlichkeiten als Rückzugsorte für einzelne Teilnehmerpaare
Ablauf

In einem ersten Schritt werden die Mitglieder der Indaba -Führungspersonen bspw. aus Politik, Gesellschaft oder Wirtschaft – einander vorgestellt bzw. neue Teilnehmer der Indaba in den Kreis eingeführt.
Anschließend werden offen Fragen, Anmerkungen und Kritik zur Themenvorlage eingebracht. Je nach Format der Indaba kann diese Phase von einigen Stunden über mehre Tage bis hin zu Wochen dauern. Bei zeitlicher Ungebundenheit sind zwischen den Teilnehmenden der Indaba Kommunikation und Austausch zu den Ideen und Anregungen möglich und erwünscht. Im Dritten Schritt tauschen sich die Führungspersonen mit Mitarbeitern etc. aus, dabei ist es nicht zwingend notwendig, dass sie nur mit Eliten in Kontakt treten. Im Archetypus einer afrikanischen Indaba kann es an dieser Stelle auch vorkommen, dass Älteste ein ganzes Township, das durch die potentielle Entscheidung betroffen wäre, kontaktieren. Durch diesen intensiven kommunikativen Austausch von Meinungen und Standpunkten werden neue Lösungsideen konzipiert, die dann durch die Führungspersönlichkeiten besprochen und erörtert werden. Dabei ist maßgeblich, dass Beschlüsse zwischen ihnen nur im Konsens möglich sind und jeder Teilnehmer gleichermaßen Rederecht hat [1]. Eine wichtige Besonderheit des Verfahrens, wie es auch bei der COP21 Anwendung traf, ist zudem die Kommunikation von No-Go’s. Es geht im Verfahren weniger um die Präsentation von eigenen Standpunkten, sondern vor allem um Problemthematisierung. Jede Verhandlungspartei kann so rote Linien im Verfahren ziehen, die zu überschreiten sie nicht bereit ist. Gleichzeitig ist sie jedoch angehalten, an der Lösung des Gesamtproblems bestmöglich mitzuwirken. Anschließend finden sich die Parteien mit den widersprüchlichsten Positionen zu moderierten Einzelgesprächen zusammen. Der Moderator ist idealiter ein unbeteiligter Gast der Veranstaltung. Ziel dieser Face-to-Face-Situation ist es nicht, den Gegner von seinem Standpunkt zu überzeugen, sondern Verständnis zu schaffen und sich gegenseitig an- und zuzuhören. Nur so lässt sich der zunächst durch die roten Linien konstituierte Lösungsraum vergrößert. Parallel können mehrere Indabas mit unterschiedlichen Teilnehmern abgehalten werden, die auch untereinander rotieren, wenn es problemspezifische Überschneidungen gibt. Gegebenenfalls erreichte inkrementale Fortschritte können dann dem Moderator und den anderen Teilnehmern der Indaba mitgeteilt werden. Am Ende des fortlaufenden Prozesses steht im Optimalfall ein Konsens mit der größtmöglichen Lösungsmenge.

Material

Arbeitsmateralien: Stifte und Papier

Dauer

Je nach Format: wenige Stunden bis hin zu Tagen

Kosten pro Teilnehmer

< 10 €

Anforderung an Moderation

hoch

Professionelle Moderation

nicht erforderlich

Siehe für eine detaillierte Darstellung der Indaba im Kontext anderer traditioneller afrikanischer Kommunikationsmuster:

Boness/Mayer (2003): Südafrikanische Kulturstandards. In: africa spectrum 38(2), S. 173-196.

Erfahrungsbericht von der Indaba bei der COP21:
Indaba bei der COP21

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